Drug Safety Mail 2014-28

07.11.2014 – Erster Fall einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) unter Tecfidera® (Dimethylfumarat)

Dimethylfumarat (Tecfidera®) ist seit Anfang dieses Jahres zugelassen zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose. Der Wirkmechanismus bei der Behandlung der Multiplen Sklerose ist nicht vollständig geklärt (1;2).

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) berichtet auf ihrer Homepage über einen ersten, tödlich verlaufenden Fall einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) nach Langzeitanwendung von Tecfidera®. Der PML vorausgegangen war eine lang bestehende schwere Lymphopenie.

Lymphopenie wird in der Fachinformation von Tecfidera® als Nebenwirkung angegeben. Kontrollen des Differenzialblutbilds werden empfohlen vor Behandlungsbeginn sowie nach sechsmonatiger Behandlung und anschließend alle sechs bis zwölf Monate und wenn klinisch indiziert (1).

In Deutschland ist Dimethylfumarat in Kombination mit drei Salzen von Ethylhydrogenfumarat als Fumaderm® bereits seit Mitte der 1990-er Jahre zur Behandlung der Psoriasis vulgaris zugelassen, wenn eine äußerliche Therapie nicht ausreicht (3). Unter Fumaderm® sind schwere Formen von Lymphopenie bei ca. 3 % der Patienten aufgetreten (3;4). Die AkdÄ berichtete über Fälle von Nokardiose und reversiblem Kaposi-Sarkom im Zusammenhang mit Fumaderm®-assoziierter Lymphozytopenie (5;6). In einem Rote-Hand-Brief vom Juni 2013 wies der Hersteller von Fumaderm® auf das Risiko opportunistischer Infektionen einschließlich PML hin (4).

Für Fumaderm® werden in der Fachinformation häufige Blutbildkontrollen empfohlen: So soll das Differenzialblutbild vor Beginn der Behandlung untersucht und während der ersten drei Behandlungsmonate in 14-tägigem Abstand und danach monatlich kontrolliert werden. Bei bestimmten pathologischen Veränderungen des Blutbildes soll die Behandlung beendet werden, u. a. wenn die Leukozytenzahl stark abnimmt (< 3000/µl) oder die Lymphozytenzahl auf unter 500/µl absinkt (3).

Aufgrund des Risikos einer opportunistischen Infektion bei Fortführung der Therapie trotz schwerer anhaltender Lymphopenie empfiehlt die AkdÄ auch bei Behandlung mit Tecfidera® Kontrollen des Blutbilds und ggf. Absetzen analog zu den Empfehlungen zu Fumaderm®.

Literatur
  1. Biogen Idec Ltd.: Fachinformation „Tecfidera® 120 mg magensaftresistente Hartkapseln, Tecfidera® 240 mg magensaftresistente Hartkapseln“. Stand: Juli 2014.
  2. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Tecfidera® (Dimethylfumarat).Neue Arzneimittel 2014-07 vom 17. Mai 2014.
  3. Biogen Idec GmbH Fachinformation „Fumaderm® initial, Fumaderm®”. Stand: September 2013.
  4. Biogen Idec GmbH: „Fumaderm® initial / Fumaderm®: Vermeidung des Risikos opportunistischer Infektionen durch Einhaltung regelmäßiger Laborkontrollen und weiterer Warnhinweise während der Therapie. Rote-Hand-Brief vom 25. Juni 2013.
  5. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: "Aus der UAW-Datenbank": Nokardiose bei Lymphopenie durch Fumaderm®.Dtsch Arztebl 2013; 110: A 1220-1221.
  6. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: "Aus der UAW-Datenbank": Reversibles Kaposi-Sarkom unter Fumaderm®-assoziierter Lymphozytopenie.Dtsch Arztebl 2009; 106: A 2380.

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