Drug Safety Mail 2015-16

13.05.2015 – Information des Paul-Ehrlich-Instituts zu Fällen von Darminvagination nach Impfung gegen Rotavirus-Gastroenteritis

Die Rotavirus-Impfung ist eine Schluckimpfung mit einem Lebendimpfstoff und wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) seit 2013 für alle Säuglinge unter sechs Monaten empfohlen. Je nach verwendetem Impfstoff (Rotarix®, RotaTeq®) kommen unterschiedliche Impfschemata zum Einsatz (siehe Fachinformation).

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) weist aktuell auf das Risiko von Darminvagination im Zusammenhang mit der Rotavirus-Impfung hin. Hintergrund ist das Aussetzen der Impfempfehlung in Frankreich, nachdem dort zwei Todesfälle im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung aufgetreten sind (1). Die STIKO prüft in Rücksprache mit dem PEI fortlaufend die Sicherheitsaspekte der Impfung. Aktuell ergeben sich daraus keine Konsequenzen für die von der STIKO getroffene Rotavirus-Impfempfehlung (1). Das PEI initiiert eine deutschlandweite epidemiologische Studie, um die Risikofaktoren einer Darminvagination weiter zu erforschen (2). Unter Darminvagination versteht man die Einstülpung eines proximalen in den distalen Darmanteil. Sie ist eine seltene Erkrankung und tritt insbesondere innerhalb des ersten Lebensjahres auf (Inzidenz: 60–100 Fälle pro 100.000 Säuglinge) (2). Epidemiologische Studien weisen auf ein gering erhöhtes Risiko von Darminvaginationen durch die Rotavirus-Impfung hin, insbesondere innerhalb von sieben Tage nach der Impfung. In Deutschland liegen aktuell 82 Fallberichte von bestätigter Darminvagination in zeitlichem Zusammenhang zur Impfung vor. Fälle mit tödlichem Ausgang wurden aus Deutschland nicht berichtet (2).

Das empfohlene Alter für die Impfungen sollte eingehalten werden (Abschluss der Impfserie für Rotarix® bis zum Alter von 24 Wochen, für RotaTeq® bis zum Alter von 32 Wochen; siehe Fachinformation). Eltern sollen über das Risiko und die Symptome der Darminvagination (z. B. krampfartige Bauchschmerzen, Nahrungsverweigerung, Erbrechen, ungewöhnliches Schreien, Absetzen von blutigem Stuhl) aufgeklärt und Kinder ggf. umgehend ärztlich vorgestellt werden (1;2).

  1. Mitteilung der Ständigen Impfkommission (STIKO) zur Rotavirus-Impfung vom 12. Mai 2015.
  2. Information des Paul-Ehrlich-Instituts zu Fällen von Darminvagination nach Impfung gegen Rotavirus-Gastroenteritis vom 11. Mai 2015.