Drug Safety Mail 2015-17

17.06.2015 – Information des BfArM zu SGLT-2-Inhibitoren: Einleitung eines europäischen Bewertungsverfahrens zur Untersuchung diabetischer Ketoazidosen

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informiert über die Einleitung eines europäischen Bewertungsverfahrens zum Risiko diabetischer Ketoazidosen unter Therapie mit SGLT-2-Inhibitoren (1, 2). Anlass sind über 100 Berichte schwerwiegender Ketoazidosefälle in der europäischen Nebenwirkungsdatenbank EudraVigilance, von denen jedoch mehr als ein Drittel im Zusammenhang mit der Off-Label-Anwendung bei Typ-1-Diabetes aufgetreten ist (2). In der öffentlich zugänglichen Datenbank des BfArM finden sich aus Deutschland drei Fälle von Ketoazidose unter der Behandlung mit SGLT-2-Inhibitoren. Auch die US-amerikanische FDA hat kürzlich über Ketoazidosen im Zusammenhang mit SGLT-2-Inhibitoren informiert (3).

SGLT-2-Inhibitoren senken den Blutzuckerspiegel durch Hemmung des Natrium-Glukose-Cotransporters 2 (SGLT-2) in den proximalen Nierentubuli, der den Großteil der glomerulär filtrierten Glukose reabsorbiert. SGLT-2-Inhibitoren sind zugelassen zur Behandlung Erwachsener mit Diabetes mellitus Typ 2, wenn Diät und Bewegung den Blutzucker nicht ausreichend kontrollieren können. Sie können in Mono- und Kombinationstherapie mit anderen Antidiabetika (einschließlich Insulin) angewendet werden. In Deutschland sind derzeit Dapagliflozin und Empagliflozin verfügbar.

Die diabetische Ketoazidose kann lebensbedrohlich sein und tritt typischerweise bei Diabetes mellitus Typ 1 auf, in der Regel einhergehend mit massiv erhöhten Blutzuckerwerten. Einige der vorliegenden Fälle wiesen hingegen nur mäßig erhöhte Blutzuckerwerte auf, was zu einer verzögerten Diagnosestellung und Therapie führen kann.

Ärzte sollten bei Symptomen wie Atembeschwerden, Verwirrung, extremem Durstgefühl, Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Schwindel, ungewöhnlicher Müdigkeit oder Erschöpfung unter Behandlung mit einem SGLT-2-Inhibitor eine Ketoazidose in Erwägung ziehen. Dies gilt auch bei nur mäßig erhöhten Blutzuckerwerten.

  1. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): SGLT2-Hemmer: Einleitung eines europäischen Risikobewertungsverfahrens zur Untersuchung diabetischer Ketoazidosen.
  2. European Medicines Agency (EMA): Review of diabetes medicines called SGLT2 inhibitors started.
  3. U.S. Food and Drug Administration (FDA): FDA Drug Safety Communication: FDA Drug Safety Communication: FDA warns that SGLT2 inhibitors for diabetes may result in a serious condition of too much acid in the blood.