Drug Safety Mail 2016-08

16.02.2016 – Aktualisierte Empfehlungen zur Minimierung des Risikos einer Progressiven Multifokalen Leukenzephalopathie (PML) unter Natalizumab (Tysabri®)

Natalizumab (Tysabri®) ist zugelassen zur Monotherapie von hochaktiver, schubförmig remittierend verlaufender Multipler Sklerose (MS) in bestimmten klinischen Situationen (siehe Fachinfo). Der Europäische Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) hat das Risiko der Progressiven Multifokalen Leukenzephalopathie (PML) unter Natalizumab untersucht und weitere Maßnahmen zur Risikominimierung vorgeschlagen. Die PML ist eine seltene schwere Hirnerkrankung, die durch das John-Cunningham (JC)-Virus hervorgerufen wird.

Die frühzeitige Erkennung und Behandlung der PML in einem noch asymptomatischen Initialstadium sind sehr wichtig, um das Ausmaß der Hirnschädigung und damit einhergehende Einschränkungen möglichst gering zu halten. Asymptomatische PML-Fälle können im Kernspintomogramm diagnostiziert werden. Bei Patienten mit einem erhöhten PML-Risiko sollten daher häufigere Kernspintomografien ohne Kontrastmittel (zum Beispiel alle drei bis sechs Monate) in Erwägung gezogen werden.

Bereits bekannte Risikofaktoren für eine PML unter Natalizumab sind eine Behandlungsdauer von mehr als zwei Jahren, eine Vorbehandlung mit anderen Immunsuppressiva sowie vorhandene Antikörper gegen das JC-Virus. Vermutlich ist bei Patienten, die vor Natalizumab nicht mit anderen Immunsuppressiva behandelt wurden, zudem die Höhe des Antikörperspiegels (Index) gegen JC-Viren mit dem Risiko für PML assoziiert.

Bei hohem PML-Risiko sollte die Behandlung mit Natalizumab nur fortgesetzt werden, wenn der Nutzen das Risiko überwiegt. Bei Patienten ohne immunsuppressive Vorbehandlung und mit niedrigem Antikörper-Index werden Testwiederholungen alle 6 Monate empfohlen, wenn sie länger als zwei Jahre mit Natalizumab behandelt werden. Patienten mit negativem JC-Virus-Antikörpertest sollten alle sechs Monate getestet werden. Bei Verdacht auf eine PML, muss Natalizumab bis zu deren Ausschluss gestoppt werden.

Die PRAC-Empfehlung wird zunächst dem Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zur Annahme der endgültigen Stellungnahme weitergeleitet.